Dialog'09

Eine lebendige Debatte über Europa

I want a political Europe.
José Manuel Barroso, President of the European Commission

September-Themenabend von Dialog’09-Brüssel

Weltsprache Englisch – Wozu noch andere Fremdsprachen lernen?

Der Europäische Tag der Fremdsprachen am 26. September wird jedes Jahr vom Europarat in Strassburg organisiert. Er ist eine gute Gelegenheit für Vereinigungen und Verbände, um Veranstaltungen rund um die Themen Fremdsprache und Sprachen lernen abzuhalten.

Das Podium: Giovanni Battista Celiento, Maren Hunds, Johan Häggman, Daniel Pashley (v.l.n.r.)Die Ortsgruppe von Dialog’09 in Brüssel hat aus diesem Anlass zum kontroversen Thema Weltsprache English – Wozu noch andere Fremdsprachen lernen? die Praktikanten, Rechtsreferendare, Studenten, Dolmetscher und junge Europa-Experten aus Brüssel ins Goethe-Institut eingeladen. Maren Hunds und Lorenz Kummert von Dialog’09 führten die etwa 45 Gäste durch einen Abend mitvielseitigem Programm. Begrüßt wurden die Anwesenden von Herrn Dr. Johann Greimel, Leiter der Sprachabteilung des Goethe-Instituts.

In seiner Einführungsrede betonte Herr Giovanni Battista Celiento, stellv. Leiter des Europarat-Verbindungsbüros in Brüssel, die Wichtigkeit, das Sprachelernen als einen lebenslangen Lernprozess zu begreifen und dabei auch die neuen Technologien voll zu nutzen – etwa das E-Learning. Herr Celiento akzeptierte die Vorrangstellung der englischen Sprache, wies aber ausdrücklich darauf hin, dass Englisch heute bereits eine Mindestvoraussetzung geworden ist und nur die Beherrschung von weiteren Sprachen einen Wettbewerbsvorteil sichern kann.

Englisch ist nicht alles

Zum Leitthema des Abends referierend, sprach Daniel Pashley, Übersetzer und Dolmetscher bei der Europäischen Kommission, über seine Muttersprache in perfektem Deutsch. Wer überall auf der Welt nur in Flughafenenglisch kommuniziert, kann kulturelle und sprachliche Referenzen, die eine lokale Sprache so besonders machen, nicht mit einbringen. Man kann sich dann nicht so ausdrücken, wie man es normalerweise in seiner Muttersprache tun würde. Englisch ist in diesen Fällen zu einem notwendigen Hilfsmittel der Kommunikation degradiert, bleibt jedoch immer eine Ausländersprache, mit der sich niemand richtig identifizieren kann.

Lorenz Kummert, Johan Häggman, Daniel Pashley (v.l.n.r.)Natürlich ist das Argument, das eine einzige Sprache viel effizienter und sparsamer sei, durchaus richtig, besonders wenn man für manche Konferenzen bis zu 50–60 Dolmetscher benötigt. Aber das Dolmetschen schafft einen einzigartigen Vorteil, den eine Einheitssprache nicht hat: ein sog. level playing field, wo sich alle so ausdrücken können, wie sie wollen. Somit haben Letten die gleichen Vorraussetzungen wie Engländer. Außerdem entspricht die Sprachenvielfalt durchaus dem europäischen Demokratieverständnis.

Es gibt Konferenzen in Englisch ohne Übersetzung und die Einzigen, die nicht verstanden werden, sind die Engländer und die Iren

In der sich anschließenden Diskussion mit dem aktiven Publikum stellte er weiterhin fest: Mr. Pashley ist überzeugt, das die Kommunikation sogar verbessert wird, wenn in der Muttersprache geredet wird. Zudem wird auch bei indirekter Übersetzung darauf geachtet, dass kein Stille-Post-Effekt aufkommt, da zwischen Ausgangssprache und Zielsprache maximal eine andere Sprache als Zwischenstation liegt.

Nicht nur Staaten haben Sprachen

Portugiesisch mit Sebastian FuchsDen letzten Vortrag zum Thema Lasst Tausend Blumen blühen – Minderheitensprachen in Europa hielt Herr Johan Häggman vom European Bureau for Lesser-Used Languages (EBLUL). Er sprach über die Minderheitensprachen und betonte das Beispiel des Katalanischen und des Valenzianischen: Gibt es einen Unterschied zwischen den Sprachen? Sollen Minderheitensprachen auch übersetzt werden? Sollte nicht Katalonisch übersetzt werden, bei einer Bevölkerung die dreifach so groß ist, wie die von Estland? Wer sollte das bezahlen?

Mal reingeschnuppert

Im Anschluss an die Diskussion und einer kurzen Pause begannen die Schnuppersprachkurse, die in ca. 15-20 Minuten einen Einblick in die sprachlichen Besonderheiten, aber auch Land und Leute geben konnte. Sie wurden von Mitgliedern der Brüsseler Dialog’09-Gruppe abgehalten:

Portugiesisch wurde von Sebastian Fuchs vorgestellt, gefolgt von Norwegisch mit Evelyn Hayn und Schwedisch mit Karin Bagge. Anschließend folgten ein Schnupperkurs in Ungarisch mit Judith Hamburg und Dániel Fehér sowie eine Kurzvorstellung des Estnischen mit Arne Mielken.

Arne Mielken, Dr. Johann Greimel und Lorenz Kummert (v.l.n.r.)Gegen Ende der Veranstaltung stellte ein Teilnehmer spontan noch die Fremdsprache Esperanto vor und gab uns einen kleinen Einblick in die verschiedene Veranstaltungen und Treffen, die in Esperato organisiert werden. Weitere Inforation zu Esperanto sind auf www.esperanto.de zu erhalten.

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